Die Weinflasche in der Hauswand

Über unseren Blog erreichen uns in erfreulicher Regelmäßigkeit super nette Mails mit allerlei Fragen rund um Lissabon. Wo kann man günstig Essen, welche Clubs sind derzeit angesagt, ob wir einen gutes Tattoo-Studio kennen, was man bei Regen in Lissabon alles anstellen kann, usw.

Fragen, über die wir uns freuen, und die wir im Normalfall auch ganz easy beantworten können. Bis neulich. Sandra arbeitet für ein Medienhaus, das drei regionale Zeitungen betreut. Dort kümmert sie sich unter anderem auch um die Beantwortung diverser Leserfragen. In diesem Zusammenhang wurde sie vor ein Lissabon-Rätsel gestellt: Was macht die Weinflasche in der Hauswand?

Ein Leser kam von einem Lissabon-Urlaub zurück und hatte diese Kuriosität in Alfama entdeckt. Da seine eigenen Nachforschungen fruchtlos blieben, wandte er sich an Sandra, die den Ball an uns weitergab.

Und … wir hatten nicht einmal den Hauch einer Ahnung! Mehr noch: Selbst nach drei Jahren, in denen wir Alfama unsere Heimat nannten, in denen wir Tag ein Tag aus durch die vielen engen Gässchen geschlendert sind und es tatsächlich geschafft hatten, uns in diesem malerischen Stadtirrgarten halbwegs zurechtzufinden, ist uns nicht eine einzige eingemauerte Weinflasche ins Auge gestochen.

Und was macht man in diesem Fall? Klar! Den Ball abspielen! Und zwar direkt vor die Füße unseres ehemaligen Vermieters José, der nicht nur Architekt, sondern auch im Vorstand des Gemeinderats in Alfama sitzt. Der muss das doch wissen!

Weit gefehlt. Selbst José war überfragt! Er geht davon aus, dass der Hausbesitzer wohl ein kreativer Typ ist, der neue Außendesign-Akzente gesetzt hat. Laut José: „Just funny guy!“

Weiter erklärte er uns, dass solche freigeistigen Verschönerungen von Häuserfassaden laut den derzeitigen Vorgaben für Renovierungsarbeiten in Alfama sogar verboten sind. Schade.

Die Weinflasche in der Häuserfassade in Alfama – beziehungsweise deren Geschichte – bleibt also ein Lissabon Geheimnis. Und obwohl wir uns alle auf eine spannende Geschichte gefreut hätten (vergessene Baurituale, abergläubische Symbole oder gar geheime Botschaften), finden wir das auch voll in Ordnung. Man muss ja schließlich nicht alles verstehen …

Oder vielleicht wissen unsere Leser ja mehr dazu. Wir freuen uns auf Hinweise!