Soraia Simões

Soraia Simões

Bitte erzähle uns ein wenig über dich. Wo bist du zum Beispiel aufgewachsen, was hast du studiert und wo wohnst du in Lissabon?

Geboren und aufgewachsen bin ich in Coimbra. Bis zu meinem 13. Lebensjahr wohnte ich gemeinsam mit meinen Großeltern im Umkreis der Stadt. Mein Opa war Schäfer, meine Oma produzierte aus der Ziegenmilch Frischkäse, die sie auf dem Markt verkaufte. Ich zog dann in die Stadt und lebte dort bis zu meinem 29. Lebensjahr.

2000 verbrachte ich eine Zeit lang in London. Doch was mich letztendlich auf meinen Lebensweg brachte, war mein Studium am Institut für Musikwissenschaft der Fakultät für Sozial- und Geisteswissenschaften an der „Universidade Nova de Lisboa“.

Heute lebe ich in Lissabon –im Stadtteil Almirante Reis. Hier treffen viel unterschiedliche Kulturen, Ideologien und Religionen aufeinander, was ich sehr schätze. Doch ganz klar gehört mein Herz der Alfama! Hier fühle ich mich schon seit meinen ersten Tagen in Lissabon zuhause. Hier komme ich mit meinen liebsten Freunden zusammen, hier führe ich die meisten Interviews mit sagenhaften Musikern und hier möchte ich irgendwann einmal ein Häuschen haben, in dem ich all meine Bücher, Reiseerinnerungen und natürlich meine Familie unterbringen kann.

Dein Projekt heißt “Mural Sonoro”. Erzähle uns bitte ein wenig darüber und wie bist du auf diese großartige Idee gekommen?

Das Projekt Mural Sonoro (“Schallmauer”) nahm im Grunde schon 2011 seinen Anfang. Während der Vorbereitung für den Master im Institut für Musikwissenschaft der Fakultät für Sozial- und Geisteswissenschaften. Zu dieser Zeit fokussierte sich mein Studium zunehmend auf die Entwicklung und Geschichte lokaler Musik (vom Fado bis zum Hip Hop) – dazu zählen natürlich auch die Musikeinflüsse der ehemaligen portugiesischen Kolonien in Afrika und Südamerika. Im Verlauf des Projekts entstand ein gigantischer Fundus an Dialogen mit Musikern, Komponisten, Instrumentenbauern und Musiklehrern. Im Februar 2014 entstand daraus die Non-Profit-Organisation „Mural Sonoro“. Im August 2014 wurde meine Arbeit mit dem Preis „Prémio Megafone“ von der Portugiesischen Autoren-Vereinigung ausgezeichnet!

Wie können Musikliebhaber die „Mural Sonoro“ nutzen, die kein Portugiesisch sprechen?

Vor fünf Jahren hätte ich wohl gesagt, dass es an den Lesern ist, sich mit der Portugiesischen Sprache auseinander zu setzen. Ich sah das ziemlich radikal, da es andersherum oft so ist, dass englische Muttersprachler immer davon ausgehen, dass die ganze Welt automatisch Englisch sprechen muss. Heute bin ich da wesentlich liberaler. Zudem wächst die „Mural Sonoro“ beständig und soll im Mai 2015 Teil des Zusammenschlusses „Europeana Sounds“ werden. Somit werden alle Informationen, Interviews usw. bald in Englisch zu lesen sein.

Da die meisten unserer Leser Touristen sind, welche Sehenswürdigkeiten abseits der ausgetretenen Touristenpfade würdest du ihnen in Lissabon empfehlen?

Einige meiner Lieblingsplätze, die ich gerne besuche, sind:

Alfama! Dort gibt es beispielsweise das Fado Museum und das Musik Museum (Museu da Música). Die TascaBeat ist klasse – ebenso die „Mesa de Frades” wo man meines Erachtens sagenhaften Fado hören kann. Dann wären da noch die Arquivo Fotográfico (Photographischen Archive) in Almirante Reis, das Café-Haus „Associação Renovar“ in Mouraria, eine Fahrradtour durch das Serra de Sintra, der Buchladen „Ler Debagar“ oder die Bibliothek „Antonio Ramos Rosa“. Wer eine tolle Übernachtungsmöglichkeit in Lissabon sucht, ist im „Cooperativa LARGO Residências“ in Intendente super aufgehoben.

Gibt es irgendwelche Highlights, die man sich auf keinen Fall antun sollte?

Das hängt natürlich vom individuellen Geschmack ab. Was ich aber anraten würde, ist eher zu Fuß die Stadt zu erkunden, als in ein TokTok zu steigen. Statt mit dem Auto zu fahren, ist es vor allem aus Sicht des Umweltschutzes und auch für das eigene Nervenkostüm besser, den Zug oder die Fähre zu nehmen.

Fado interessiert unsere Leser sehr. Hast du ein paar Tipps für gute Fado-Restaurants und Fado-Künstler in Lissabon?

Da wären zum Beispiel die Tasca do Chico, das Mesa de Frades oder das Bela Petiscos in Alfama. Im „Maria da Mouraria“ (was zuvor „Casa da Severa“ hieß) im Stadtteil Mourairia ist es ebenfalls klasse.

Es gibt viele Künstler, die ich sagenhaft finde. Daher wäre es unfair hier nur einen oder zwei zu nennen. Am besten man macht sich selbst ein Bild auf meiner Seite „Mural Sonoro“ – hier finden sich ganz viele Interviews und Hörproben!

Was ist denn dein Lieblingsrestaurant in Lissabon und wo gehst du am liebsten hin, wenn du danach noch etwas trinken möchtest?

Ich esse seit fast 20 Jahren kein Fleisch und gehe daher sehr gerne in vegetarische Restaurants in Lissabon. Hier sind mal ein paar meiner Lieblingsrestaurants: Das „Paladar Zen“ in der Av. Barbosa du Bocage 107, das , “Os Tibetanos” in der Rua do Salitre und das „TAO“ in der Rua dos Correeiros.

Wenn ich Lust habe, feinen Fisch zu essen, gehe ich beispielsweise in diese Fischrestaurants in Lissabon: Das „Coura“ nahe der Kathedrale Sé und, wenn man etwas mehr Geld ausgeben möchte, das „Ranmiro“ in Almirante Reis. Für absolute Fischliebhaber empfehle ich einen Trip nach Almada oder nach Setúbal – hier gibt es ein sagenhaftes Fischrestaurant nach dem anderen!

Gibt es deine Meinung irgendwelche „No Goes!“ für Touristen im Umgang mit Portugiesen?

Ich glaube nicht. Alles ist möglich, denn „cada português é um português“ (jeder Portugiese ist nun mal Portugiese).

Was wünschst du dir für die Zukunft von Portugal und besonders für Lissabon?

Für Portugal wünsche ich mir eine gerechtere Verteilung des bestehenden Reichtums und das Ende des herrschenden feudalen Systems. Für Lissabon speziell wünsche ich mir eine deutliche Verbesserung bei der Verteilung der Fördermittel für Kulturprojekte sowie die extrem wichtige Weiterentwicklung und Kontextualisierung des bestehenden Kulturerbes. Dann würde ich mir wünschen, dass die hygienischen Bedingungen auf den Straßen verbessert werden und mehr Radwege entstehen.

Beschreibe Lissabon in einem Wort … oder einem Satz, falls das einfacher ist.

Dass fällt mir leicht! Lissabon ist meine Liebe auf den ersten Blick!

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