Sätze & Schätze

25.7.1930
„Wir lieben niemanden, nie. Wir lieben allein die Vorstellung, die wir von jemanden haben. Unsere eigene Idee – uns selbst also – lieben wir. (…)
Die Beziehungen zwischen zwei Seelen vermittels so ungewisser und gegensätzlicher Dinge wie geläufiger Worte und Gesten sind erstaunlich vielschichtig. Selbst im Augenblick des Erkennens wissen wir nichts voneinander. Zwei Menschen sagen „ich liebe dich“ oder denken und fühlen es gegenseitig, und doch verbindet jeder damit eine andere Vorstellung, ein anderes Leben, vielleicht sogar eine andere Farbe, ein anderes Aroma oder einen anderen Duft innerhalb der abstrakten Summe von Eindrücken, die das Seelenleben ausmacht. (…)
Insbesondere das Verstehen ermüdet uns. Leben heißt, nicht denken.“
Fernando Pessoa (1888-1935), Das Buch der Unruhe.

Alleswahr (58)

Aus dem Reader zur Sammlung Fischer, 1999, S. Fischer Verlag:
„Pessoa war ein Gratwanderer zwischen der Irrealität des täglichen Lebens und der Realität seiner Fiktionen. Paradoxerweise wurde gerade er, der zeitlebens nur vier schmale…

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