10 Fragen an Tânia Cardoso und Rodrigo Crespo von Canto Hondo

Canto Hondo

Wie abgemacht trafen wir uns mit Tânia und Rodrigo von Canto Hondo im Café Tati vor ihrem Auftritt. Es wurde ein denkwürdiger Abend und ein wirklich lustiges, teilweise liebevoll chaotisches Interview. Aus den 10 Fragen wurden 8, aus den kurzen Antworten wurden ausführliche. Gespickt mit zunehmendem Lampenfieber, Anrufen von Bandmitglied João Luís, der etwas zu spät dran war und dem gediegenen Trubel des Cafés. Wir haben jede Sekunde genossen!

  1. Erzählt uns ein wenig über Euch – Wo seid Ihr aufgewachsen, woher kommt die Leidenschaft für Musik, und so weiter.

(Tânia wuselte zum Anfang des Interviews noch rum, um alles für den Auftritt herzurichten und kam erst ab der zweiten Frage dazu …)

Rodrigo: Ich bin Mosambik geboren und bin als kleines Kind mit meinen Eltern nach Lissabon gezogen. Die Situation dort war damals nicht tragbar. Aufgewachsen bin ich dann etwas außerhalb von Lissabon. Mit 12 Jahren nahm ich zum ersten mal eine Gitarre in die Hand und hab sie bis heute nicht mehr hergegeben. Ich habe Jura studiert und arbeite tagsüber im Gericht.

Tânias Heimat ist Setúbal, weiter südlich im Lande. Musik hat sie im Blut, denn ihr Vater ist ein bekannter Fadosänger. Sie studierte Schauspiel und Musik und verdient ausschließlich mit der Kunst ihren Lebensunterhalt.

  1. Was macht Canto Hondo so besonders und was bedeutet Canto Hondo eigentlich?

Rodrigo: Canto Hondo ist … in Englisch ziemlich schwer zu erklären! Es beschreibt die Verbindung zwischen Musik und Poesie. Eine Form der Volksmusik, die in Andalusien ihre Wurzeln hat. Sie ist ursprünglich die tiefe, schwermütige Form des Flamencos.

Tânia: Canto Hondo bedeutet grob übersetzt „tiefes Lied“. Es ist Musik, die damals die Zigeuner sangen und spielten – vorführten. Musik, die an keiner Schule erlernbar ist, sondern intuitiv von Herzen und von der Seele kommt. Gesungene Geschichten. Der portugiesische Canto Hondo ist natürlich mit dem Fado verbunden und hat zudem arabische Musikeinflüsse.

  1. Wo habt Ihr Euch getroffen beziehungsweise kennengelernt und wie ist Canto Hondo entstanden?

Rodrigo: Wir kennen uns schon lange – schon vor Canto Hondo. Doch die Musik hat uns zusammengebracht. Wir harmonieren auf ganz besonderer Weise, wenn wir gemeinsam miteinander musizieren.

Tânia: Zunächst waren Canto Hondo nur wir zwei. Doch um unsere Musik noch mehr auszufüllen, fehlten Percussions. João ist seit November 2013 ein Teil von Canto Hondo.

  1. Was ist Euer Lieblingsrestaurant, Bar oder Platz in Lissabon?

Rodrigo: Boah! Schwierig … ich kann euch jetzt so spontan gar nichts empfehlen. Tascas! Tascas, die weder schick noch stylish sind, sondern einfach nur gute, portugiesische Küche servieren. Die Atmosphäre dort ist toll. Warte … Tânia, wie heißt der Ort … das am Praça de Figueira?

Tânia: … keine Ahnung. Ich mag italienische Küche (lacht)! Die Pizza im Casanova ist lecker, obwohl man dort nicht so gemütlich sitzt. Wunderschön sitzt man dagegen im Miradouro do Monte Agudo in Graça oder am Miradouro St. Catarina. Dann die kleinen Restaurants in Alfama für Fischliebhaber! Oder im Café auf dem Parkhaus im Bairro Alto.

… oder das Noobay in St. Catarina! Und das Teatro Taborda am Castelo!

Rodrigo: Da gibt es wirklich so vieles! Was aber wirklich genial ist, ist ein Ausflug nach Setúbal! Hier gibt es alles! Berge, geniale Strände, Wein … In Lissabon finde ich Alfama sehr schön, da sich hier das Leben auf der Straße abspielt. Bairro Alto ist mittlerweile zu überfüllt.

(Es kamen noch sehr viel mehr Ideen, die während des ganzen Interviews immer wieder mal zum Besten gegeben wurden. Sobald wir die beiden wiedersehen, lassen wir uns diese aufschreiben …)

  1. Was kann man getrost weglassen, wenn man nach Lissabon reist?

Rodrigo: Die ganzen Außenbezirke der Stadt. Hier gibt es nichts, was sich lohnen würde. Wie in jeder Stadt eigentlich.

Tânia: … sinniert mit Angelica über Italien …

  1. Auf was sollten Touristen achten, um Portugiesen nicht „auf die Füße zu treten”?

Rodrigo: Die Portugiesen sind sehr easy going im Umgang mit ihren Besuchern. Wir sind ein kleines Land am äußersten Zipfel Europas und dementsprechend tragen wir die Nasen nicht so hoch. Wir möchten, dass sich die Leute hier wohlfühlen, sind bemüht zu gefallen. Schüchtern und manchmal sogar ein wenig beschämt. Es ist schwer, uns aus der Fassung zu bringen oder zu verärgern. Als eines der ersten Länder, welches die Welt bereiste, war es für Portugal immer wichtig, diplomatisch zu sein, da wir ja keine gigantischen Ressourcen hatten und einen auf Weltmacht machen konnten. Wie gesagt, es ist schwierig, uns zu verärgern.

Tânia: … immer noch am erzählen mit Angelica … immer noch über Italien …

  1. Wie seht ihr die Zukunft von Lissabon und Portugal?

Rodrigo: (denkt sehr lange nach) Erstens würde ich mir wünschen, dass wirklich jeder ein gutes Leben führen kann. Die derzeitige Generation hat wenig Perspektive. Es fühlt sich manchmal an, als hätte Portugal keine Zukunft. Aber das war immer schon ein bisschen so. Leute, die nach Portugal ziehen, bringen frische Ideen und Energie ins Land. Sie sehen das große Potenzial deutlicher, als es die meisten Portugiesen tun. Das finde ich positiv, denn dadurch entstehen auch für uns neue Möglichkeiten und Ansatzpunkte.

  1. Lisboa in einem Wort?

Rodrigo: Licht! Du weißt schon … wenn es sich im Fluss spiegelt.

Tânia: (überlegt … lange … sehr lange) Fusion. Fusion im Sinne eines Mikroklimas innerhalb Stadteilen wie Alfama oder Graça. Viele verschiedenen Menschen treffen hier aufeinander und es entsteht etwas … Besonderes!

 

Eine Lissabon Erfahrung, die man auf keinen Fall verpassen sollte! Wer Canto Hondo live erleben möchte, kann auf der Facebook Seite die aktuellen Termine der Konzerte erfahren.

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